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Zuschauer in über 130 Jahren

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Mitglieder seit 1883

Die Geschichte der Preziosa

Eine kurzer Abriss der Geschichte

Das Gründungsjahr

13. August 1883

Wie viele andere auch war der Gründer des Vereins, Karl Höfert sen., in das 1875 gerade einmal ca. 5000 Einwohner verzeichnende ländliche Ückendorf gezogen, um dort auf der gerade erschlossenen Zeche Rheinelbe seine Arbeitskraft als Maschinist anzubieten. Kaum in der neuen Heimat angekommen, rief er mit einer Zeitungsannonce einen kleinen Theaterverein ins Leben.

"Theaterfreudige Damen und Herren werden zwecks Gründung eines Theatervereins gebeten, sich am 13. August, 7 Uhr abends, im Lokal Zitzen, Bochumer Straße einzufinden."

Gelsenkirchener Zeitung 1883
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Über 60 Damen und Herren, überweigend sangesfreudige Bergleute, meldeten sich darauf hin und am 13. August 1883 wurde die "Gesellschaft deutsche Bühne Gelsenkirchen Ückendorf " unter dem Vorsitz von Karl Höfert sen. gegründet. Zu diesem Zeitpunkt war Ückendorf ein eingenständiges Amt im Landkreis Gelsenkirchen und Höfert der einzige Theaterverein im sich infrastruktuell entwickelnden Ückendorf. 

Karl Höfert sen.
Karl Höfert sen.Gründer des Vereins

12. August 1906

Der Name Preziosa

Mit der Eingemeindung Ückendorfs in die neu entstehende Großstadt Gelsenkirchen, sah man sich nun zahlreichen Gesangs- und Theatervereinen gegenübergestellt. Mit der Zeit erwies sich der Name als zu lang und im Juni 1906 kürzte man den Namen auf "Deutsche Bühne I ". Die privaten Bühnen waren zu dieser Zeit verstärkt der Willkür der Behörden ausgesetzt, die die Arbeit der privaten Bühnen erschwerten und immer wieder Auftrittsverbote aussprachen. Viele Bühnen verschwanden genauso schnell, wie sie entstanden sind. Da auch der Verein "Preziosa" aus Mangel an finanziellen Mitteln und wegen ständigen Querelen mit den Behörden seinen Bestrieb einstellen musste, entschloss sich Höfert mit seiner Bühne am 12. August 1906 zur "Fusion" der  beiden Spielbetriebe unter dem Namen "Gesellschaft Preziosa ". 

Von 1908 bis 1917

25 Jahre Preziosa | Einstellung des Spielbetriebs

Zum 25jährigen Bestehen im Jahr 1908 spielte man erneut das Schauspiel "Preciosa" im Saal "Dreikauß" (heute kath. Vereinshaus an der Virchowstraße). Da weibliche Mitglieder nicht zulässig waren, mussten Darstellerinnen gegen Bezahlung engagiert werden. (Hiebei handelte es sich meistens um die Ehefrauen und Töchter der Mitglieder, die dann schnell zu den Ehrendamen des Vereins wurden). Das Honorar der Hauptrollen betrug seinerzeit 7 Mark, der Preis für eine Eintrittskarte 0,50 Mark. Die Geschäftsleute des damals finanzstarken Ückendorf stifteten eine Vereinsfahne mit der Stickerei "In Freud und Leid zum Spiel bereit". Diese Fahne ist bis heute erhalten geblieben. 

Im Dezember 1913 übernahm dann Karl Höfert jun. von seinem 50jährigem Vater den Vorsitz über die Preziosa. Am 18. Oktober 1914 wurde der Spielbetrieb dann aufgrund der Einberufung der Mitglieder zum Militär eingestellt. Bereits drei Jahre später, im November 1917, spielte Preziosa dann wieder vor vollem Haus.

Von 1923 bis 1943

Neugründung | 2. Weltkrieg

Zum vierzigsten Jubiläum August 1923, wurde das Lokal "Baukmann" (später Roland-Theater, jetzt Supermarkt) an der Bochumer Straße gemietet und festlich geschmückt. In der Nacht vor der Feier wurde es aber durch die französische Besatzungsmacht beschlagnahmt und in französischen Zeitungen erschienen daraufhin Bilder mit der Unterschrift " So empfängt man unsere Soldaten". Nach Streitigkeiten im Verein trennten sich die Familien Höfert mit einigen weiteren Mitgliedern und gründeten einen neuen Verein mit dem Namen "Theatergesellschaft Preziosa 1883 " Dieser wurde, im Gegensatz zum Vorgängerverein, beim Amtsgericht eingetragen. Da der alte Verein aber ebenfalls Namensrechte geltend machte, wurde der Name in "Theatergesellschaft Alt Preziosa 1883" geändert. Die Produktionen wurden um ein vielfaches gesteigert und so gab es jeden Monat mindestens eine Produktion aus dem Hause Preziosa. Die von Ewald Höfert (Enkel des Gründes) selbstgeschriebenen Operetten "Ein Mädel aus Wetfalenland" und "Fahr wohl du Lenzensmorgen" erfreuten sich 1932 sehr großer Beliebtheit beim Publikum. Im August 1933 mussten sich die letzten beiden verbliebenen Theatervereine nach dem Gleichschaltungsgesetz zusammenschließen. "Preziosa 1883" wurde zugunsten der "Alt Preziosa 1883" aufgelöst und von nun an gab es nur noch einen Theaterverein in Gelsenkirchen und Höfert sen. übergab zum zweiten mal den Vorsitz an seinen Sohn Höfert jun. Ein absolutes Spielverbot 1934 konnte der Bühne nichts anhaben, da nach heftigem Protest vom Vorstand eine dauerhafte Spielerlaubnis erteilt wurde. In den folgenden Jahren fand das Vereinsleben scheinbar normal statt, denn man wollte spielen. Friedliche Unterhaltung sollte geboten werden; keine leichte Aufgabe, man wollte sich zwar nicht der Diktatur unterwerfen aber weiterhin bestehen bleiben. So passte man sich an und arrangierte sich so gut es ging. 1937 stieg Preziosa im Amateurtheater zu einem der führenden Vereine mit fürstlichen Gagen auf. Nach der Verleihung des staatlichen Kunstscheins waren Aufführungen mit teilweise 80 Mitwirkenden im Hans-Sachs-Haus keine seltenheit mehr. Am 4. August 1943 endete aber die Erfolgswelle und der Spielbetrieb musste eingestellt werden, da alle Mitglieder ausnahmslos eingezogen wurden. Eine Feier zum 60jährigen Bestehen fand noch im kleinen Kreise statt.

Ewald Höfert
Ewald Höfert

1945

Wiederaufnahme des Programms

Der zweite Weltkrieg war zu Ende und Gelsenkirchen glich einer Trümmerwüste. Der Bedarf nach Unterhaltung war so groß wie nie und Preziosa wurde gebeten, den Spielbetrieb so schnell wie möglich wieder aufzunehmen. Eilig wurde zum 14. Oktober 1945 mit den verbliebenen 24 Mitgliedern eine Mitgliederversammlung einberufen. Ein Spielbetreib war kaum möglich: Aufgrund fehlender Kohle, die wegen der Reparation tonnenweise an Frankreich ausgeführt wurde, war es den Gastwirten nicht möglich, die wenigen erhaltenen Gaststätten mit Wärme zu versorgen. Proben fanden teilweise in völlig unterkühlten Räumen statt, wenn sie nicht direkt wegen der Kälte abgesagt wurden. Textmaterial gab es auch kaum und so wurde ein vorhandenes Textbuch von Darsteller zu Darsteller zum Lernen weitergereicht, denn Papier zum kopieren war knapp. Eine wurde Januar 1946 geplante Vorstellung fand nie statt.  Stattdessen ließ man die Monatsversammlungen der Mitglieder als bunte Familienabende stattfinden und konnte so neue Mitglieder gewinnen. Da sich die Musikkultur schneller erholte als die Theaterkultur, setzte man verstärkt aus Operettenvorstellungen. Am 15. April 1947 öffnete sich im damaligen Saal "Serres" an der Bülowstraße (später Kino Scala in der umbenannten Regensburger Straße) wieder der Vorhang und die Zuschauer standen Schlange für die Operette "Rosmarein vom Böhmerwald" unter der Inszenierung von Ernst Behrend, Mitglied des Stadttheater Wanne-Herne. Ewald Höfert dirigierte das große Orchester.

Das erste Plakat nach dem Krieg

Verliebte Leute (Gruppenfoto)

Komödie 1948

1960

TV als Konkurrenz

Ab 1960 bekam Preziosa dann -wie fast alle Kultureinirchtungen- die Ausmaße des sich neu entwickelnden Mediums Fernsehen zu spüren. Der stetige Anstieg der TV Geräte spiegelt sich auch in den Spielplänen wieder. 1964, 1967 und 1970 sollte es keine Vorstellungen geben. Auch die Schließung des Roland-Theater um ca. 1969 machte den Verein wieder Heimat- und somit Bühnenlos. Von nun an tingelte man unermüdlich von Gastspiel zu Gastspiel und war auf den Idealismus der Gastwirte angewiesen, die ihre Räumlichkeiten für Bühnenbau und als Lager zur Verfügung stellten. Dem damaligen Kulturdezernenten Prof. Dr. Meya war es dann zu verdanken, das mal bald wieder zumindest eigene Proben- und Lagerräume hatte.

1971 fand auch das Genre des Märchens seinen Einzug und man begann zum ersten Mal mit Kindern zu proben.  Am 12. Dezember feierte "Der kleine Muck" seine Premiere bei der Preziosa. Das Interesse am Märchen entwickelte sich so rasant, das man ab 1985 die Gerhard-Hauptmann-Realschule als zusätzlichen Spielort mit aufnehmen würde, um so den Gelsenkirchener Norden bedienen zu können. Der Betrieb funktionierte reibungslos und die Stadt Gelsenkirchen stellte im September 1976 das "Kleine Haus" des Musiktheaters zur Verfügung. Später wurden die Auftritte in den großen Saal des Hans-Sachs-Haues verlegt. "Senioren drängen sich auf der Empore" titelten die Ruhrnachrichten 1978, als anstatt 600 Zuschauer plötzlich 900 Zuschauer in die Vorstellung wollten. In aller Eile musste die Bestuhlung erweitert werden und zum ersten mal begann eine Vorstellung verspätet. Zwischen all den Inszenierungen wurde auch Kurzstücke für Senioren und Verkehrserziehungsstücke in Schulen und Altenheimen aufgeführt. Auch eine eigene Karnevalssitzung konnte man vorweisen. 

1960 bis heute

Bühne ohne Heimat

Mit den Jahren ist das Publikum deutlich weniger geworden. Die alten Stammzuschauer gabs kaum noch und die Stücke entsprachen nicht mehr dem Zeitgeist. Man muß nun versuchen das junge Publikum zu erreichen und für das Theater zu beigestern. Noch während der Proben zum neuen Schwank 1992 änderte man den Spielplan und wählte eine modernere Komödie aus. Von nun an bediente man das Genre des Boulevardtheaters und das jüngere Publikum fühlte sich tatsächlich angesprochen. Schon bald waren die Vorstellungen wieder ausverkauft. Der Service wurde immer perfekter und man stand mit einem professionellem Theater fast auf einer Stufe. Garderobenservice, ein Catering mit umfangreichem Angebot vom Bier, über Sekt, bis zum Rotwein und unsere selbstgemachte Currywurst runden das Angebot ab. Seit über 10 Jahren ist man bemüht, endlich eine eigene Spielstätte in Gelsenkirchen zu bekommen. Leider fehlt hier jedliche Unterstützung. Gespräche mit der Stadt verlaufen im Sand und Vermieter nehmen lieber dankend die Abschreibungen an, anstatt eines der vielen leerstehenden Objekte preisgünstig zu vermieten. Gelsenkirchen hat seine durch hohe subventionen aufrechterhaltene Kulturstätten und das reicht. Da bleibt für ein Privattheater kein Platz, zumindest liegt dieser Eindruck nahe. Das Publikum hat Preziosa als Sprechtheater voll akzeptiert, nicht aber die teilweise maroden Schulgebäude mit ihren Aulen. Immer weiter ausgedehnte Schulzeiten verkürzen die Fremdnutzung der Aulen erheblich und die Gebühren die für die Nutzung gezahlt wird, fließt leider nicht an die Schulen zur Renovierung! 

Heute sind wir auf dem Niveau vieler privaten Bühnen angekommen: Ein gemeinnütziger Verein von vielen eben. Ein Theater ohne eigene Räume,  welches sich von Produktion zu Produktion aufrecht erhält und auf die städtischen Schulaulen angewiesen ist. Der einstige Glanz Preziosa ist bei den Stadtoberen scheinbar ein wenig in Vergessenheit geraten....

Über uns

Als ältester Theaterverein in Gelsenkirchen (Ückendorf) unterhält die Theatergesellschaft Preziosa seit 1883 das Publikum mit Komödien (bis 1950 auch mit Operetten sowie Singspielen). 1971 wurde das Ensemble um eine Kinder- und Jugendgruppe erweitert.

Anschrift

Theatergesellschaft Preziosa 1883 e.V.
Postfach 102707
45827 Gelsenkirchen
Tickets (0209) 1555 4333 Di.-Do. 11-14 Uhr
         

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